Künstlerischer Werdegang von Michael Mutschler, geb 07. Juli 1947 in Heilbronn.
‘’Was stellt das dar?”, fragte meine Großmutter meinen Vater, der auch malte.Diese Frage ließ ihn fast immer bleich werden, da seine ehrliche Reaktion auf dieses für ihn unbegreifliche Daherreden Familienhader größeren Ausmaßes verursacht hätte.Nun hatte ich also die Problematik der Moderne stets vor Augen: das Unverständnis!!Als ich dann selbst anfing, in freistem Sinne zu gestalten, bediente ich mich meiner Träume, konnte alltäglichen Situationen ihre Vielschichtigkeit abgewinnen und lernte das Absurde, Groteske, Verstörende als Motivgrundlage zu schätzen.Sich selbst beim Malen zuschauen, diese von Surrealisten geliebte Schaffensweisewar auch die meine. Jene Entdeckungsreisen ins Unbewusste, ins Abgründigeübten eine große Faszination auf mich, als den Schöpfer und Betrachter in einer Person, aus. Moralisch sich Wähnendes geht bis heute Hand in Hand mit triebgesteuerten Drängeleien.Über Bewegung habe ich alles in der Akademie-Ausbildung beim Figurentheater gelernt. Das hat meine Malweise erweitert, die Blickrichtungen, Gesten, Dialoge gleichsam als psychisch erfahrbare Architektur abbilden will.Der Malprozess: Pinsel, Finger und Tücher, findet ziemlich dynamisch statt. Statt akribischer Vorbereitung entstehen Malereien spontan. Die Bildsprache ist inspiriert von der Klassischen Moderne, neu zusammengefügt wie Puzzles der Gegenwart. Die strukturierende Funktion von Schwarz, die harmonisierende von Weiß spielen für mich eine wichtige Rolle.Nach dem Malen stelle ich oft fest, dass die Motive dem Zeitgeist entnommen worden sind. Oder auch mal vorwegempfunden: Bevor alle über Flüchtlinge redeten, malte ich sie schon. Gedichte, hauptsächlich noch “altmodisch” vom Reim getragen, fliegen wie aus einem anderen Kosmos heran und finden sich auf dem Papier wieder. Künstlerische Spontaneität leitet mich auch hier. Das Ergebnis kann für mich eine gelungene Sprachmelodie sein. Die Frage meiner Großmutter also: In Anbetracht meiner Kunst stelle ich mir sie bisweilen selbst: Was stellt das dar?